PROXI Fachkräfte
Radikalisierung beginnt nicht in dem Moment, in dem eine Jugendliche oder ein Jugendlicher sich einer Ideologie zuwendet. Sie entsteht über Jahre aus Entwicklungsprozessen, die im pädagogischen Alltag sichtbar sind: Schwierigkeiten mit sozialen Regeln, Abwertung anderer Gruppen, Unsicherheit über die eigene Zugehörigke
Landespräventionsrat Niedersachsen
Weitere Durchgänge dieses Programms
Eckdaten
- Datum Mittwoch, 09. September 2026
09:00 bis 17:00 Uhr
Kalender-Eintrag herunterladen - Ort Historisch-Ökologische Bildungsstätte Papenburg
Anfahrt auf Google Maps - Format Präsenz
- Beitrag Kostenfrei
- Anmeldung bis Donnerstag, 27. August 2026
- Ansprechperson
Hinweis: Diese Veranstaltung ist durch den Landespräventionsrat Niedersachsen gefördert und ausschließlich für Teilnehmende aus Niedersachsen kostenfrei.
Hintergrund
Worum es geht
Radikalisierung beginnt nicht in dem Moment, in dem eine Jugendliche oder ein Jugendlicher sich einer Ideologie zuwendet. Sie entsteht über Jahre aus Entwicklungsprozessen, die im pädagogischen Alltag sichtbar sind: Schwierigkeiten mit sozialen Regeln, Abwertung anderer Gruppen, Unsicherheit über die eigene Zugehörigkeit, einfache Welterklärungen. Wer diese vier Proximalfaktoren früh erkennt, kann handeln, bevor ideologische Bindung einsetzt.
PROXI vermittelt den entwicklungsorientierten Präventionsansatz von Prof. Dr. Andreas Beelmann (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und dessen Übersetzung in die niedersächsische Praxis – mit konkreten, evidenzbewerteten Ansätzen aus dem Praxishandbuch des Landespräventionsrats Niedersachsen.
Was Sie nach der Fortbildung können
- Radikalisierungsdynamiken als Entwicklungsphänomen einordnen, ideologieübergreifend – also unabhängig davon, ob rechtsextremistische, islamistische oder andere extremistische Bezüge im Raum stehen.
- Die vier Proximalfaktoren erkennen und differenzieren: Dissozialität, Vorurteile und Intoleranz, Identitätsprobleme, extremistische Narrative.
- Bedarfe im eigenen Wirkungsfeld einschätzen und eigene Maßnahmen den Präventionsebenen (universell, selektiv, indiziert) sowie den vier Proximalfaktoren zuordnen.
- Evidenzbewertete Präventionsansätze beurteilen – mit ehrlichem Blick auf Wirksamkeitsbelege, Implementationsfallen und Grenzen einzelner Programme.
- Den Transfer in die eigene Praxis konkret planen, als nächster Schritt in den vier Wochen nach der Fortbildung.
Methoden
Inputvorträge, Textarbeit am Praxishandbuch (Beelmann u. a. 2024), Fallvignetten und kollegialer Austausch in Klein- und Arbeitsgruppen. Die vier Online-Module nach dem Präsenztag greifen je einen Proximalfaktor auf – Präsenz und Online ergeben zusammen 16 Stunden Lernumfang.
Für wen die Fortbildung gedacht ist
- Schule: Lehrkräfte mit Präventionsauftrag, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte, schulpsychologische Dienste
- Jugendhilfe: Fachkräfte der Erziehungshilfen, der Erziehungs- und Familienberatung, der Frühen Hilfen, aufsuchender Jugendarbeit, von Jugendzentren und Jugendmigrationsdiensten
- Kommune: Mitarbeitende in Jugendämtern, kommunalen Präventionsräten und -netzwerken, Fachstellen für Demokratieförderung
- Zivilgesellschaft: Mitarbeitende in Vereinen, Initiativen und Trägern, die in Niedersachsen zur Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung arbeiten
Eine präventionsfachliche Vorqualifikation ist nicht erforderlich. Wer aus Pädagogik, Sozialer Arbeit, Psychologie, Schule, Verwaltung oder Jugendhilfe kommt, kann direkt einsteigen.
Plätze und Zuteilung
20–25 Plätze. Der ausrichtende Standort und seine regionalen Communities-that-Care-Nachbarstandorte erhalten ein festes Kontingent. Restplätze stehen interessierten Fachkräften aus anderen Regionen Niedersachsens offen.
Programm
- 09:00–09:30Begrüßung, Vorstellungsrunde, Ziele und Struktur des Tages
- 09:30–10:30Einführung in das entwicklungsorientierte Präventionsmodell nach Beelmann
- 10:30–10:45Pause
- 10:45–11:45Radikalisierung als Entwicklungsprozess: distale Risikofaktoren, die vier Proximalfaktoren, extremistische Einstellungen und Handlungen
- 11:45–12:30Fachsprache der Prävention: Verhaltens- und Verhältnisprävention, Präventionsebenen, Implementationstreue
- 12:30–13:30Mittagspause
- 13:30–14:30Vertiefung der vier Proximalfaktoren mit Original-Auszügen aus dem Praxishandbuch (Beelmann u. a. 2024)
- 14:30–15:30Fallarbeit zu typischen Konstellationen aus Schule, Jugendhilfe und Kommune
- 15:30–15:45Pause
- 15:45–16:30Europäische Qualitätsstandards (EDPQS) als Rahmen für Bedarfsanalyse und Qualitätssicherung
- 16:30–17:00Transferplanung: der eigene nächste Schritt in der Praxis
Vortragende
- Maximilian von Heyden, M.Sc. Public Health
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