REBOUND
Programm · Weiterbildung

REBOUND – Lebens- und Risikokompetenz

Curriculum zur Lebens- und Risikokompetenz für Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren. 12–16 Unterrichtseinheiten, in Schule, Berufsschule, Hochschule und Jugendhilfe einsetzbar.

Zielgruppe
Lehrkräfte · Sozialpädagogen · Multiplikatoren
Dauer
3 Tage Fortbildung + 12–16 Unterrichtseinheiten
Finanzierung
§ 20a SGB V
Verbreitung

REBOUND in Deutschland.

Einsätze ausgebildeter Multiplikatoren in Schule, Berufsschule, Hochschule und Jugendhilfe – laufende und über die Jahre durchgeführte Gruppen, unabhängig vom Finanzierungsweg. Darüber hinaus wird REBOUND in Luxemburg, Rumänien, Mauritius, Österreich und der Schweiz eingesetzt.

REBOUND im Überblick

REBOUND vermittelt Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 14 Jahren Lebens- und Risikokompetenz – über ein standardisiertes Curriculum, das im Klassen- oder Seminarverband umgesetzt wird. Multiplikatoren (Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Hochschulpersonal) werden in einer dreitägigen Fortbildung qualifiziert und setzen das 12- bis 16-stündige Curriculum anschließend in ihrer eigenen Praxis um.

Zielgruppe

  • Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren
  • Settings: weiterführende Schulen (Sekundarstufe II), Berufsschulen, Hochschulen, Jugendhilfe
  • Multiplikatoren in genannten Settings

Aktuelle Weiterentwicklung: REBOUND 2.0

REBOUND wird derzeit im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Gesundheit über das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) geförderten Projekts weiterentwickelt. REBOUND 2.0 aktualisiert Medienbausteine, erweitert die Zielgruppe auf junge Erwachsene bis 25 Jahre, entwickelt ein hybrides Trainer-Konzept und wird durch das Institut für Psychologie der Universität Greifswald extern evaluiert.

Laufzeit: 01.06.2024 – 31.12.2026.

→ Projektseite REBOUND 2.0

REBOUND für spezifische Settings

  • REBOUND Schule und Hochschule – Standardanwendung (siehe Programmseite)
  • REBOUND Soziale Arbeit – im Kontext von stationärer Jugendhilfe: Siehe das separate Programm PULSAR, das methodisch auf REBOUND aufbaut und um organisationsentwicklerische Elemente erweitert

Finanzierung

Die Multiplikatoren-Fortbildung ist kostenpflichtig. Die Umsetzung des Curriculums ist teilweise nach § 20a SGB V förderfähig – insbesondere wenn REBOUND in eine schulische Setting-Strategie eingebettet ist.

Programmseite rebound.schule

REBOUND hat eine eigene Programmseite mit allen Details, die über diesen Teaser hinausgehen.

Programmtheorie · MAGIC 7

Die sieben Wirkbausteine von REBOUND

MAGIC 7 bündelt die Programmtheorie von REBOUND in sieben Wirkbausteinen: vier Dimensionen der Risikokompetenz (RIKO) und drei Resilienzaspekte entlang Ich, Ich-Du und Wir. Gemeinsam beschreiben sie, wie junge Menschen Risiken einschätzen, sich selbst steuern, Sinn und Ziele entwickeln und tragfähige Beziehungen aufbauen. Der Umgang mit Substanzen ist das Lernfeld, in dem REBOUND diese Kompetenzen konkret werden lässt; ihr Ertrag reicht weiter, bis zu Wohlbefinden und Resilienz. Wählen Sie einen Baustein, um zu sehen, was er bedeutet und worauf er sich stützt.

Risikokompetenz vier Dimensionen
Resilienz Ich · Ich-Du · Wir
Risikokompetenz 1 / 7

Reflektiertheit

Die Fähigkeit, Risiken auf die eigene Person zu beziehen und aus eigenen wie fremden Erfahrungen zu lernen. Sie verbindet objektives Wissen mit der subjektiven Frage, was eine Situation für mich bedeutet, beim Konsum ebenso wie bei anderen Entscheidungen mit Folgen.

Reflektiertheit gründet auf der Risikowahrnehmungsforschung und auf der videobasierten Szenario-Analyse (VIA), in der Jugendliche Filmszenen deuten und sich zu den Figuren in Beziehung setzen. Neuere Arbeiten ergänzen die leibliche Seite: Über die Interozeption, die Wahrnehmung eigener Körpersignale, wird Reflexion nicht rein kognitiv, sondern auch körperlich-affektiv verankert.

In REBOUND getragen von VIA-Filmarbeit, Substanzstunden

Konzepte und Quellen
Risikokompetenz 2 / 7

Informiertheit

Belastbares, abrufbares Wissen über Risiken und Schutzfaktoren, über psychoaktive Substanzen ebenso wie über die Bedingungen, die Gesundheit und gelingendes Aufwachsen stützen, verbunden mit der Fähigkeit, es kritisch zu bewerten und auf eigene Entscheidungen anzuwenden.

Informiertheit ist das jugendgerechte Pendant zur Gesundheits- und Drogenkompetenz (health und drug literacy). Sie setzt auf aktuelle, kritisch geprüfte Evidenz statt auf Abschreckung: im Substanzfeld etwa auf multikriterielle Gefährlichkeits-Rankings und auf das Schweregradkontinuum der Diagnostik (DSM-5, ICD-11) statt auf eine starre Trennung von Missbrauch und Abhängigkeit.

In REBOUND getragen von Substanzstunden

Konzepte und Quellen
Risikokompetenz 3 / 7

Kontrolliertheit

Die Fähigkeit, eigenes Verhalten in reizstarken oder riskanten Situationen zu steuern: über Kontrollabsicht, Kontrollerfahrung, Selbstwirksamkeit und Emotionsregulation.

Warum Selbststeuerung gerade im Jugendalter störanfällig ist, erklärt das Dual-Systems-Modell: Ein früh ausreifendes Belohnungssystem trifft auf eine erst langsam reifende kognitive Kontrolle, ein allgemeines Muster jugendlichen Risikoverhaltens. Die Anreiz-Sensitivierungs-Theorie zeigt zudem, dass Verlangen auch ohne Genusserleben überschießen kann. Kontrolliertheit braucht deshalb neben kognitiver Selbstwirksamkeit auch leibnahe Affektregulation und einen geübten Umgang mit Auslösereizen.

In REBOUND getragen von Substanzstunden, Innehalten-Training, Schulentwicklung

Konzepte und Quellen
Risikokompetenz 4 / 7

Orientiertheit

Gelebte Sinn-, Wert- und Zukunftsorientierung: die Fähigkeit, das eigene Handeln auf längerfristige Ziele zu beziehen und in einem Werthorizont zu verorten.

Orientiertheit knüpft an Antonovskys Kohärenzgefühl (Salutogenese) und an die Forschung zur Zukunftsorientierung an. Sie ist weniger kognitive Absichtsbildung als gelebte Sinnorientierung. Bei früh belasteten Jugendlichen ist Zukunftsorientierung erschwert, was eine trauma-sensible Gestaltung der Stärken- und Lebenswege-Stunde nahelegt.

In REBOUND getragen von Stärken-Stunde, Lebenswege-Stunde

Konzepte und Quellen
Resilienz · Ich 5 / 7

REGIE

Die eigene Hand am Steuer: positives Selbstbild, Autonomie- und Kompetenzerleben, Problemlöse- und Kommunikationsfähigkeit.

REGIE ruht auf der Selbstbestimmungstheorie (SDT): Autonomie und Kompetenz sind universelle psychologische Grundbedürfnisse, deren Erfüllung Wohlbefinden trägt. Für REBOUND heißt das, nicht nur Inhalte zu vermitteln, sondern einen autonomieförderlichen Stil zu pflegen: Wahlmöglichkeiten, Sinnstiftung und Rückmeldung zur Wirksamkeit statt zu reiner Leistung.

In REBOUND getragen von Stärken-Stunde, autonomieförderliche Kursleitung

Konzepte und Quellen
Resilienz · Ich-Du 6 / 7

MENTOREN

Die Fähigkeit, das eigene soziale Unterstützungsnetz wahrzunehmen, zu verstehen und zu pflegen: unterstützende, nicht-elterliche Beziehungen erkennen, etwa zu Lehrkräften, Verwandten, älteren Geschwistern oder anderen bedeutsamen Erwachsenen, und sie aktiv stärken.

Die Forschung zum natürlichen Mentoring zeigt, dass nicht die bloße Anwesenheit einer Bezugsperson wirkt, sondern Qualität und Dauer der Beziehung, also Bezogenheit, Unterstützung und Autonomieförderung. REBOUND ist dabei kein Mentorenprogramm: Der Baustein zielt darauf, dass junge Menschen ihr eigenes Unterstützungsnetz erkennen, einschätzen und gezielt pflegen.

In REBOUND getragen von Lebenswege-Stunde, Reflexion des eigenen Unterstützungsnetzes

Konzepte und Quellen
Resilienz · Wir 7 / 7

TEAM

Teilhabe an funktionierenden sozialen Netzwerken, insbesondere an einer tragenden Schul- und Klassengemeinschaft.

Schulverbundenheit (school connectedness) stärkt Wohlbefinden und wirkt als Schutzfaktor, auch gegen problematischen Substanzkonsum. Verbundenheit ist allerdings zweischneidig: Schul- und Familienverbundenheit wirken schützend, während eine enge Bindung in konsumnahen Cliquen das Risiko erhöhen kann. REBOUND bearbeitet beides über Klassenklima-Arbeit und die Auseinandersetzung mit Normen im Schüler-Videoprojekt.

In REBOUND getragen von Schulentwicklung, Schüler-Videoprojekt, Peer-Mentoren

Konzepte und Quellen
Programmtheorie und Evidenz

Die 7 Wirkbausteine beschreiben die Wirkannahmen, also wie das Programm wirken soll. Zur eingeordneten Wirksamkeit: Grüne Liste Prävention · Effektivität wahrscheinlich. Die Weiterentwicklung REBOUND 2.0 wird zudem durch das Institut für Psychologie der Universität Greifswald extern evaluiert (Laufzeit bis Ende 2026).

Literatur zum Programm

Forschungsstand und Belege.

Nachfolgend eine Auswahl fachbegutachteter Arbeiten und zentraler Referenzdokumente zum Programm – nicht von FINDER verfasst, aber Grundlage unserer Umsetzung in Deutschland.

  1. 2022

    Leiblein, T., Bitzer, E.-M., & Spörhase, U.

    What Skills Do Addiction-Specific School-Based Life Skills Programs Promote? A Systematic Review

    Sustainability, 14(22), 15234 · DOI 10.3390/su142215234

  2. 2015

    Jungaberle, H., & Nagy, E.

    Pilot Evaluation Study of the Life Skills Program REBOUND

    SAGE Open, 5(4) · DOI 10.1177/2158244015617515

  3. 2014

    Jungaberle, H., Nagy, E., von Heyden, M., et al.

    REBOUND: A media-based life skills and risk education programme

    Health Education Journal · DOI 10.1177/0017896914557097

  4. 2014

    Nagy, E.

    Risikokompetenz beim Umgang mit Alkohol und anderen Drogen [Inauguraldissertation]

    Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

  5. 2010

    Brown, J. H., Jean-Marie, G., & Beck, J.

    Resilience and Risk Competence in Schools: Theory/Knowledge and International Application in Project Rebound

    Journal of Drug Education · DOI 10.2190/de.40.4.b

  6. 2010

    Wippermann, C. E. M.

    Struktur- und Prozesselemente in Drogenszenarien: Qualitative Studie zu den Einflussfaktoren auf den Entscheidungsprozess im Umgang mit psychoaktiven Substanzen [Diplomarbeit]

    Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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