Tagung

Unter welchen Bedingungen?

Psychische Gesundheit und die Frage nach dem guten Aufwachsen

Termin
Ort
Marsilius-Kolleg, Universität Heidelberg
Format
Präsenz
Beitrag
Kostenfrei
Der Schwan, Nr. 17, Serie SUW, Oktober 1914 bis März 1915
Der Schwan, Nr. 17, Serie SUW, Oktober 1914 bis März 1915 Hilma af Klint
Gefördert durch

Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit

Eckdaten

Hintergrund

Die psychische Gesundheit junger Menschen ist zu einem der drängenden gesellschaftlichen Themen geworden. Bevölkerungsrepräsentative Untersuchungen wie die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der DAK-Kinder- und Jugendreport und die Trendstudie „Jugend in Deutschland" zeigen seit Jahren erhöhte Belastungswerte, mit deutlichen Unterschieden nach Geschlecht und sozialer Lage. In Schulen und Hochschulen werden diese Zahlen alltäglich erlebbar; in der ambulanten Versorgung sind monatelange Wartezeiten auf einen Therapieplatz zur Normalität geworden.

Zugleich ist seit Jahrzehnten erforscht, was junge Menschen in ihrer Entwicklung stärkt. Die Resilienzforschung (Werner, Masten) zeigt die Bedeutung verlässlicher Bindungen und früher Bewältigungserfahrungen, die affektive Neurowissenschaft (Panksepp) die evolutionär tiefe Verankerung von Fürsorge und Spiel, die Salutogenese (Antonovsky) den Wert von Sinn- und Kohärenzerleben, die Präventionswissenschaft (Hawkins, Catalano) das Zusammenspiel von Schutzfaktoren in Familie, Schule und Gemeinde, die Sozialepidemiologie (Marmot) den Einfluss materieller und sozialer Teilhabe. Diese Forschungstraditionen geben jeweils einen Ausschnitt; gemeinsam verweisen sie auf einen Zusammenhang, der quer zu ihnen liegt: Was junge Menschen stärkt, entsteht zwischen Menschen und in Verhältnissen, die das ermöglichen.

Die Tagung „Unter welchen Bedingungen? Psychische Gesundheit und die Frage nach dem guten Aufwachsen" nimmt diese Doppelperspektive ernst. Sie fragt nach den persönlichen Bedingungen psychischer Gesundheit und nach den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Aufwachsen heute stattfindet.

Anlass ist der Abschluss von REBOUND 2.0. Das ursprüngliche REBOUND-Programm entstand zwischen 2010 und 2013 am Institut für Medizinische Psychologie der Universität Heidelberg unter Leitung von Dr. Henrik Jungaberle und Prof. Dr. Rolf Verres: ein evidenzbasiertes Schulprogramm zur Stärkung von Lebens- und Risikokompetenz. REBOUND 2.0 hat es aktualisiert und mit der Edition ReStudy in einem Aktionsforschungsansatz für die Hochschule adaptiert; die Evaluation lag bei Prof. Dr. Samuel Tomczyk an der Universität Greifswald.

Die Förderung durch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit hatte einen konkreten Hintergrund: REBOUND hatte in der Evaluation einen Effekt auf die Cannabiskonsumprävalenz gezeigt. Aktualisiert und für die Hochschule adaptiert wurde es in einer Phase, in der Cannabis für Erwachsene legalisiert wurde, also in einem Moment, in dem der gesetzliche Rahmen selbst Gegenstand politischer Gestaltung war. Regulierung von psychotropen Substanzen ist Verhältnisprävention. Sie zeigt, dass der Rahmen verhandelbar ist, nicht naturgegeben. Verhaltensbezogene Prävention findet darin ihren Platz. Beides braucht das andere. Die Tagung fragt nach diesem Zusammenhang und weitet den Blick von Substanzkonsum als Form der Realitätsverarbeitung auf die größere Frage, unter welchen Bedingungen psychische Gesundheit heute gelingen kann, in Schule, Hochschule und Kommune.

Eingeladen sind alle, die mit jungen Menschen arbeiten, über sie forschen oder über die Bedingungen ihres Aufwachsens entscheiden: Lehrkräfte und Schulleitungen, Studierende und Wissenschaftler, Fachkräfte aus Jugendhilfe und Kommunalverwaltung, Mitarbeiter aus Hochschulen und Studierendenwerken, Vertreter aus Bildungs- und Gesundheitsverwaltung.

Wir freuen uns auf einen Tag, der Theorie und Praxis verbindet und Raum öffnet für die Frage, was sich am Subjekt verändern lässt und was an den Verhältnissen.

Programm

  1. 12:00–12:10
    Eröffnung
    Maximilian von Heyden, M.Sc. Public Health Hörsaal
  2. 12:10–12:15
    Grußwort
    Judith Coenenberg, Magister, Politische Wissenschaft, Staatsrecht, Medienwiss.
  3. 12:15–13:00
    Vortrag
    Prof. Dr. phil. Karina Weichold, Dipl.-Psych.
  4. 13:00–13:45
    Verkörperung, Entkörperung und psychische Gesundheit
    Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs
  5. 13:45–14:00
    Fragen & Antworten
    Prof. Dr. phil. Karina Weichold, Dipl.-Psych. · Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs
  6. 14:00–14:30
    Pause
    Foyer
  7. 14:30–14:50
    Vortrag
    Patrick Wentorp, B.A. Philosophie – Neurowissenschaften – Kognition Hörsaal
  8. 14:50–15:10
    Vortrag
    Prof. Dr. phil. Samuel Tomczyk, Dipl.-Psych.
  9. 15:10–15:20
    Fragen & Antworten
    Patrick Wentorp, B.A. Philosophie – Neurowissenschaften – Kognition · Prof. Dr. phil. Samuel Tomczyk, Dipl.-Psych.
  10. 15:20–15:30
    Pause
    Foyer
  11. 15:30–17:00
    Parallel · zur Wahl
    Seminarraum 1
    Gesundheitsförderung in der Kommune
    Katrin Hayn, Dipl. Sportwiss. (Rehabilitation/Prävention)
    Seminarraum 2
    Gesundheitsförderung in der Schule
    Maram Salem, M.Sc. Public Health, B.Sc. Medizin und Chirurgie
    Hörsaal
    Gesundheitsförderung in der Hochschule
  12. 17:00–17:15
    Pause
  13. 17:15–17:30
    Erkenntnisse aus den Werkstätten
    Hörsaal
  14. 17:30–18:00
    Musikalischer Abschied
    Prof. em. Dr. med. Rolf Verres, Dipl.-Psych.

Neun Vortragende

  1. Maximilian von Heyden, M.Sc. Public Health
    Maximilian von Heyden, M.Sc. Public HealthEröffnung
  2. Judith Coenenberg, Magister, Politische Wissenschaft, Staatsrecht, Medienwiss.
    Judith Coenenberg, Magister, Politische Wissenschaft, Staatsrecht, Medienwiss.Grußwort

    Referat T 4 Suchtprävention, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit

  3. Prof. Dr. phil. Karina Weichold, Dipl.-Psych.
    Prof. Dr. phil. Karina Weichold, Dipl.-Psych.Vortrag

    Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Friedrich-Schiller-Universität Jena; Leitung Abteilung Jugendforschung, Institut für Psychologie

  4. Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs
    Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas FuchsVortrag

    Karl-Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie

  5. Patrick Wentorp, B.A. Philosophie – Neurowissenschaften – Kognition
    Patrick Wentorp, B.A. Philosophie – Neurowissenschaften – KognitionVortrag
  6. Prof. Dr. phil. Samuel Tomczyk, Dipl.-Psych.
    Prof. Dr. phil. Samuel Tomczyk, Dipl.-Psych.Vortrag

    Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsmedizin Rostock

  7. Prof. em. Dr. med. Rolf Verres, Dipl.-Psych.
    Prof. em. Dr. med. Rolf Verres, Dipl.-Psych.Musikalischer Beitrag

    Emeritierter Professor für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Heidelberg

  8. Katrin Hayn, Dipl. Sportwiss. (Rehabilitation/Prävention)
    Katrin Hayn, Dipl. Sportwiss. (Rehabilitation/Prävention)Werkstatt

    Wissenschaftliche Referentin FINDER Akademie

  9. Maram Salem, M.Sc. Public Health, B.Sc. Medizin und Chirurgie
    Maram Salem, M.Sc. Public Health, B.Sc. Medizin und ChirurgieWerkstatt

    Wissenschaftliche Referentin FINDER Akademie

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